die magierin auf reisen

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zusammen alleine verbunden
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gesunde sonne
flirten mit dem meer

Donnerstag, 17. Mai 2012

Hamburg begrüßt seine Gäste




Wenn Eine eine  Reise tut, dann kann sie was erleben. In diesem Jahr will ich ja das touren auf eigene Faust und alleine, mit Auto, zu Fuß und per Fahrrad üben. Es geht ums unterwegs sein und erleben, wie die Wirklichkeit unwägbar und lebendig erscheint. In diesen Tagen bin ich bei meiner Schwester in Schleswig Holstein. Ein kleines überschaubares Dorf, ein großer See, Tiere, wirkliche Stille, wahrhaftige Dunkelheit nachts, Wetter, Natur…
So machte ich mich also auf den Weg und kam ersteinemal  davon ab. Bevor ich mich versah, landete ich in Hamburg. Leute, es wird immer gesagt, es wäre schwer, in Hamburg Fuß zu fassen und da reinzufahren. Kann ich gar nicht bestätigen. Ich hätte zwei Abfahrten zuvor von der Autobahn abfahren müssen. Meine Schwester hatte mir die richtigen Verbindungen am Telefon gesagt. Ich hatte mir im Kopf aber völlig anderes zurechtgelegt.
Zurück nach Hamburg. Ziemlich bald fuhr ich in eine unbelebte Nebenstraße und rechts ran. Ich wollte einen Café am Wasser trinken. Wenn ich schon mal hier wäre, dann wenigstens das. Ich war schon öfter in Hamburg, mir ist diese Stadt sympathisch. Aber noch nie unterwegs mit dem Auto. Ein netter älterer Herr kam des Wegs und ich fragte ihn, ob er hier in der Nähe ein gemütliches Café am Wasser kennen würde. Er schaut mich an, das Auto und ich wog ab, wie er den Eindruck aufnehmenden könnte. Mein Auto war voll mit Vogelschiss und Blüten, ich sah komplett nach Ferien aus, helle Hosen, heller Pullover, Bernstein und Holzschmuck, Sonne im Gesicht. Seine Erscheinung war eher helmutschmidtohnekappe aber grade und mit Lebenserfahrung, also so um die 70 rum und vertrauenerweckend auf mich.
,„moinmoin“,  es war immerhin 17.30 Uhr und
 „jooh“, kams nach einer Weile des gegenseitigen Abwägens.
„aber wir se dahinkommen, ich weiß nicht so recht, wie ich das beschreiben soll.“
Er überlegte ernsthaft.
Ich: „haben sie was vor?“
„nöö nich so direkt.“
Ich: „na wollen sie bei mir einsteigen und mich dort hin chauffieren?“
„jooh, warum nich!“ er lachte breit.
Er stieg ein ohne Umstand, schnallte sich an ohne Probleme oder Widerhaken, mit klaren Worten wies er mir den Weg und zeigte mir ganz ruhig einen Parkplatz. Ein Café am Wasser…
Ich: „wenn sie nichts vorhaben, wollen wir zusammen Café trinken? Ich würde das schön finden.“
„jooh, das kann gut angehen, machen wir genauso.“
Und ab dann übernahm er, aber ganz ohne Machogebaren. Es stellte sich schnellraus dass er dort Stammgast war, einen guten Geschmack und Ansprüche an Lebensmittelqualität  hatte und die Speisenkarte auswendig hersagen konnte. Seine Empfehlung an mich war eindeutig, ein Pharisäer für ihn und einen für mich. Den Alkohol von wegen Autofahren ließ er nicht gelten, den würde ich durch Kuchen ausgleichen, eine  Sylt er Himbeerschnitte, hausgemacht. Der Café aus einer Traditionsfirma  hausgeröstet, dass er den Alkohol nicht selbst gebrannt hatte war wirklich alles. Ich dachte, nimms wie es kommt, es fühlt sich total entspannt an.
Wir unterhielten uns über Hamburg und ich erfuhr, dass er Olv hieß und ursprünglich aus Dänemark kam und in seiner Jugend der Liebe halber hierhergezogen war und sein restliches Leben mit dieser Liebe verbracht hatte. Krebs hatte seinen Partner das Leben gekostet und so lebte er erst seit zwei Jahren alleine. Sein alter 85 Jahre, er wirkte erheblich jünger. Sein Beruf war der des Cafeverköstigers, sein Leben lang kostete und spuckte er Café für ein erfolgreiches Caféhaus. Er war sozusagen meine beste Wahl für meinen  Cafetrinkenwunsch hier in Hamburg. Als ich ihm erzählte, dass ich am liebsten Jacobs Café Krönung trinke und aus unerfindliche gründen immer wieder darauf zurückkomme im Hausgebrauch, lachte er…“der Café ist gut“, betätigte er mir, die fahren eine hohe Qualität und daran ist nichts auszusetzen. Aber…sie hatten  wahrscheinlich noch nie die WIRKLICHE CAFEWAHL,  dann würden sie anders entscheiden…vermutlich…und würden selber rösten…ich habe das gelernt…unschätzbar für den eigenen Genuss.“
Am Ende tauschten wir Adressen und er versprach mir bei meinem nächsten Besuch, mir diese Kunst vorzuführen. Wir trennten uns vor dem Café, er wohnte dort nahe und ich machte mich zurück auf die Autobahn Richtung Berlin, um zwei Abfahrten später die richtige Strecke und am Ende meinen Platz bei meiner Schwester zu finden.
Ein Abend Spaziergang am Ratzeburger See beendete romantisch diesen ersten Tourentag.
Am nächsten Morgen dann begrüßeten mich DIE HIER,  ABER AUCH GENAUSO:



und der sensationelle Ausblick auf die wunderschöne Streuobstwiese.


Der Vorteil von so einer Tour und Unterwegssein: das Leben überwältigt  und beschenkt mich, ich fühle mich lebendig und reich.
Der Nachteil: wenn es denn einer wäre, ich denke nicht einen Moment lang ans Fotografieren, ich will einfach nur sein.


Morgen besuche ich Lübeck und habe vor, viel zu fotografieren. Bis dann...habt einen schönen Himmelfahrts Tag und glaubt den Männern nicht...am Ende fahren wir alle zum Himmel und es gibt keinen Grund, diesem Tag noch andere Namen zu geben...

Kommentare:

  1. Liebe Ute,

    sooo toll dein Ankommen in Hamburg, Lebendigkeit pur und wunder-voll... Bin schon ganz gespannt auf Lübeck... Traumschön, das du soviel Schönes erleben kannst, wünsche dir wunderschöne Erfahrungen und Augenblicke...

    Liebe Sonnengrüsse, Sichtwiese

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  2. Liebe Ute
    ach wie gegeistert ich bin und so einfach ist es los zu fahren und Leute kennen zu lernen was gibt es schöneres... so stelle ich es mir genauso vor wenn ich da oben in Norddeutschland bin und im Urlaub die Erfahrung machte solche schöne Erlebnis!
    Ich freue mich schon über deine Berichte von Land und Leute!
    Schöne Erlebnisse wünsche ich dir!
    Lieben Gruss Elke

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